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24.04.2019

Projekt »Jung trifft Alt«

Man kennt es aus dem Fernsehen: Senioren, die in Pflegeheimen glücklich strahlend aufleben, wenn bei Veranstaltungen in ihrer Einrichtung mal eine Kindergartengruppe oder die Theater-AG einer benachbarten Schule vorbeischauen. Frau Bittner (Hospizdienst Rottweil und ehemalige Lehrerin) und Frau Hummel (Grundschullehrerin), beide in Dietingen bei Rottweil tätig, schmiedeten den Plan, ein Projekt »Jung trifft Alt« zu erproben und konnten dazu schnell die Unterstützung der Leitung des AWO-Pflegeheim St. Josef  gewinnen. Wie werden Erst- und Zweitklässler mit den fremden „Omas und Opas“  zurechtkommen, wo es doch heute so gut wie keine Mehrgenerationen-Familien mehr gibt.

Mit Grundschülern ins Altenheim und mit Senioren auf die Schulbank – eine verrückte Idee und so wurde sie realisiert:
Ein erstes vorsichtiges Kennenlernen fand bereits im März statt. Beim gemeinsamen Singen und  bei Bastelarbeiten war die Scheu der Schüler schnell überwunden. Sie halfen ihren »Wahl-Omas« und »Wahl-Opas« ganz spontan in einer aufgelockerten,  freundlichen Atmosphäre beim Ausschneiden von Papierblumen. Ein prächtig geschmücktes Frühlingsfenster entstand.

Das zweite Treffen stand unter dem Motto: Gemüse – fühlen, erraten, benennen, schmecken und auch aussäen. Sechs verschiedene Gemüse waren in einem Fühlkistchen bzw. unter einem Tuch versteckt, wurden ertastet und benannt. Aus Silbenkärtchen wurden dann auch die Gemüsesorten von den Schülern »verschriftlicht«. Unter Mithilfe der Senior*innen wurden Aussaatschalen mit Erde befüllt, in jeweils vier Areale eingeteilt, entsprechend der vorhandenen Sorten beschriftet und dann vier Tomatensorten jeweils eingesät – für beide »Altersklassen« eine doch recht komplexe Aufgabe, die gut gemeistert wurde, einschließlich der unverzichtbaren Putzaktion danach. Wenn alle Samen aufgehen, werden die Bewohner*innen von St. Josef eine ertragreiche Ernte und viel Freude an den eigenen Tomaten haben. Diese Aktion wirkt also noch weit über das damalige Treffen hinaus. Vielleicht wird es dann in einigen Monaten ein gemeinsames Tomatenfest geben?

Nachdem die beiden ersten Treffen sowohl für die Senior*innen als auch für die Schüler*innen sehr arbeitsintensiv waren, planten die beiden Initiatorinnen das letztes Treffen vor Ostern eher als gemütliches Zusammensitzen und Feiern unter dem Motto: Osterhasen backen, Tisch festlich decken und gemeinsam die Freude auf das kommende Osterfest genießen.

Aus vorbereitetem Hefeteig wurden schöne Osterhäschen geformt und gebacken. Der köstliche Backduft motivierte die Schüler – unter der Anleitung der Senior*innen – eifrig den Tisch zu decken und zu dekorieren. Doch Hasengebäck braucht Zeit.  Deshalb wurde das Warten verschönert durch eine spannende Ostergeschichte die Frau Bittner und Frau Hummel in getrennten Rollen auch für hörbuchverwöhnte Ohren trefflich vorlasen. Alle von Hand geformten Osterhäschen waren ein Unikat und schmeckten vorzüglich.

Es war für die professionellen Pflegekräfte erstaunlich, welche Achtung und Rücksicht die Kinder gerade auch den Heimbewohnern entgegen­brachten, die an Demenz erkrankt waren oder ein anderes Handicap hatten. Eine Pflegekraft  stellte fest: »Ich glaube für die Schülerinnen und Schüler ist es eine ganz besondere Erfahrung zu erleben, dass  Erwachsene auch so ganz anders sein können.  Dies hat die jungen Schüler aber in keiner Weise befremdet.«

Die Pflegedienstleitung, Frau Nastold, bedankte sich recht herzlich bei den Kindern und verwöhnte jedes mit einem netten kleinen Abschiedsgeschenk.

Sicher treffen sich „die beiden Generationen“  in ein paar Wochen wieder, wenn es darum geht, die Tomatenpflänzchen zu pikieren. Dazu wird wieder jede Hand gebraucht.

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